Spheredelic startet in den April mit wenig frühlingshaften Klängen: The Legend of the Pakefield Weatch ist eher etwas für lange, dunkle Nächte – und bringt paranormale Schwingungen in eure Zimmer. Colematic INF Release auf Spheredelic ist eine düstere, mystisch-okkulte Noise-Soundscape EP, die sich perfekt für den Soundtrack zu einem experimentellen Arthouse-Horrorfilm machen würde. 

Hypnotisches tonales Gemurmel mehrerer Frauenstimmen wird vom lauten Zischen verschiedener Percussions-Elemente begleitet. Mal Becken, mal Trommeln, mal schneidende Gongs brechen wie ein Gewitter über das tranceartige Aufsagen von Beschwörungsformeln herein und verursachen schon beim bloßen Hören den ein oder anderen Jumpscare. Peitschende, elektronisch synthetisierte Geräusche (von Klängen kann hier kaum mehr die Rede sein) werden mit verzerrten Audiosamples und Recordings diverser Klangerzeuger vermischt und lassen eine hochfrequent sirrende auditive Kulisse entstehen, während verzerrte Gitarrensounds aus dem äußeren Bereich des Stereobildes heranrollen und jemand weit hinten mehrere Schusswaffenmagazine im Dauerfeuer zu entleeren scheint. 

Was sich wie ein beängstigender, psychotischer Trip liest und verstörende Assoziationen vor dem inneren Auge hervorruft, klingt wirklich so – faszinierend einnehmend und narkotisierend, als wäre man selbst Beiwohnende*r eines okkulten Rituals – oder besser noch das im Mittelpunkt stehende Medium, die Opfergabe einer spiritistischen Gemeinschaft für die Kommunikation mit der Welt der Toten. Alle Geräusche und Klänge rauschen förmlich an den Zuhörenden vorüber, von den Sinnen betäubt, bleibt nur die Hingabe an die hypnotisierenden Beschwörungen. 

Und die sind nahezu omnipräsent. Die Field-Recordings, die von Gemini Lounge Orchestra für The Legend of the Pakefield Weatch genutzt wurden, sind echte Aufnahmen der heidnischen Riten verschiedener, quer über England verstreuten Hexengruppierungen, wie etwa der „New Forest Coven“, auch genannt „Witches of Gardeners Coven“. Diese Hexengruppe lebte Anfang des 20. Jahrhunderts in der Nähe des New Forest in Südengland und führte wohl Gerald Gardner, den bekannten Okkultisten und Gründer der paganen Wicca-Religion, in ihre Praktiken ein, woraufhin dieser die Erkenntnisse in eines seiner Bücher überführte. 

The Legend of the Pakefield Weatch wird von einem nicht weniger psychedelischen Videorelease begleitet, das mehrere, teils farbig-invertierte, teils monochrome Videoebenen mit den diversen Geräuschschichten der Musik verwebt. Das visionär flackernde visuelle Gesamtwerk greift auch hier, ähnlich wie bei den Field-Recordings der Musik, auf teils echtes historisches Videomaterial zurück. Licht aus, Boxen und Bildschrim an, dreimal Bloody-Mary ins Dunkel hauchen und los geht’s! Nur lieber vor dem Schlafengehen noch einmal unters Bett schauen, vielleicht hat sich ja dort der beschworene Geist von Gerald Gardner höchstpersönlich versteckt. 

 

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PakW Front Cover

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